Ahrweiler
Übersicht

In den letzten Jahren ist die Beziehung zwischen den beiden Brudergesellschaften wieder intensiviert worden und es herrscht eine hervorragende Freundschaft. Grund genug auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten einzugehen (Der folgende Text wurde auch in der Festschrift anlässlich 400 Jahre St. Laurentius Junggesellen-Schützengesellschaft Ahrweiler abgedruckt). Desweiteren stehen hier alle verfügbaren Berichte über das Ahrweiler Schützenfest aus Sicht der Lantershofener.

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Von kleinen Unterschieden und großen Gemeinsamkeiten
Stefan Dünker / 8. August 2012

Das Verhältnis der „Junggesellen-Schützen-Gesellschaft ‚St. Lambertus‘ Lantershofen e.V.“ und der „Sankt Laurentius Junggesellen Schützengesellschaft Ahrweiler 1612 e.V.“ im Wandel der Zeit

Schon seit jeher stehen die im Ahrtal gelegene Stadt Ahrweiler und das auf den nördlich davon gelegenen Hügeln befindliche Lantershofen in einer engen Verbindung. Obwohl eines der ersten historisch belegten Zusammentreffen zwischen Ahrweiler und Lantershofen im Jahre 1372 einen eher unerfreulichen Anlass hatte, da die Ahrweiler Bürger damals gemeinsam mit ihrem kurkölnischen Lehnsherrn Erzbischof Friedrich von Saarwerden in Lantershofen ein Raubritternest aushoben, so scheint das Verhältnis über die Jahrhunderte hinweg doch meist sehr positiv gewesen zu sein. Beispielsweise findet sich die erste Erwähnung eines Lantershofener Schützenwesens, worauf sich die Lantershofener Junggesellen noch heute berufen, im Jahre 1492 in Zusammenhang mit der Begleitung der Ahrweiler Fronleichnamsprozession. In den guten Beziehungen zwischen den Schützengesellschaften scheint die Jugend schon immer eine wichtige Rolle gespielt zu haben. Als Indiz hierfür kann angesehen werden, dass schon lange bevor in den Jahren 1834 und 1850 die Lantershofener Wilhelm Harff und Christian Schütz Könige der Ahrweiler Bürgerschützengesellschaft wurden, im Jahre 1748 der Lantershofener Johannes Bender die Königswürde der Ahrweiler Junggesellenschützen erlangte. Eine Ehre, die in Lantershofen leider noch keinem jungen Mann aus Ahrweiler vergönnt war. Die Aussichten, dass ein solcher Fall in den kommenden Jahren eintreten könnte, stehen jedoch nicht schlecht, befinden sich doch zurzeit mehrere gebürtige Ahrweiler in den Reihen der Lantershofener Schützen.

In den Aufzeichnungen der St. Lambertus-Schützen treten die St. Laurentius-Schützen namentlich erstmals 1949 in Erscheinung, als ihr Vorstand anlässlich der bereits seit 1947 wieder stattfindenden Lantershofener Schützenfest- und Kirmesfeierlichkeiten der Einladung aus Lantershofen folgte und am Frühschoppen des Kirmesmontags im Winzerverein teilnahm. Zudem liehen die Ahrweiler den Lantershofenern eine Woche zuvor für ihr Schützenfest eine Armbrust, sodass die Ermittlung des Schützenkönigs nicht mehr wie in den Jahren 1947 und 1948 im Speerwurf erfolgen musste. Ob aus dem Schweigen der Quellen geschlossen werden kann, dass es sich bei dem Besuch von 1949 tatsächlich um das erste offizielle Zusammentreffen der beiden Vereine handelte, müsste jedoch sicherlich an dem deutlich umfangreicheren Quellenbestand der Ahrweiler Archive geprüft werden. Im darauf folgenden Jahr luden die Ahrweiler Junggesellenschützen den Lantershofener Vorstand ebenfalls zu ihrem Festkommers ein und nur ein Jahr später findet sich im Jahresbericht des damaligen Lantershofener Schriftführers erstmals die Bezeichnung der Ahrweiler Junggesellenschützen als Bruderverein des eigenen. Somit war der Grundstein zu einer sich beinahe stetig intensivierenden Beziehung der beiden Schützengesellschaften gelegt.

In den folgenden drei Jahrzehnten bestand der wichtigste Kontaktpunkt in der wechselseitigen Einladung zu den Festkommersveranstaltungen und auch der Besuch des Königsvogelschießens des jeweils anderen Vereins wurde mit steigender Regelmäßigkeit wahrgenommen. Außerdem bestand stets die Bereitschaft der Brudervereine, sich bei Bedarf gegenseitig zu unterstützen, was sich in Leihgaben und Spenden manifestierte. Noch intensiver wurde der Kontakt in den 1980er Jahren. Seit dem Beginn dieses Jahrzehnts wurde, anfangs noch im Rahmen des Lantershofener Maubichfestes, ab 1985 im Rahmen des Lantershofener Schützenfestes, ein Wettschießen zwischen den Vorständen der Junggesellenschützengesellschaften abgehalten. Diese gemeinsame Tradition wird bis heute in Form des sogenannten „Sauschießens“ fortgesetzt. In den 1990er Jahren stand man sich dann mehrmals auch auf einem anderen Betätigungsfeld als dem für die Vereine namensgebenden Schießsport im Wettstreit gegenüber. Gemeint sind mehrere Fußballturniere, bei denen sich die Mannschaften der Ahrweiler Huten untereinander sowie mit der hierzu antretenden Lantershofener Junggesellenauswahl im freundschaftlichen Wettbewerb maßen.

Bei aller Annäherung der Schützenvereine blieben jedoch auch stets gewisse Unterschiede zwischen den Traditionen der Stadt und ihres Nachbardorfes bestehen. So führt es beispielsweise regelmäßig zu Verwirrung, wenn ein Lantershofener mit dem Schützenfest im eigenen Ort lediglich das Königsvogelschießen meint und die folgenden Veranstaltungen als Kirmes betitelt, oder im umgekehrten Falle ein Ahrweiler von seinem Schützenfest spricht und damit alle Veranstaltungen um den Fronleichnamstag meint, die in Lantershofen schon einmal gerne fälschlicherweise als Ahrweiler Kirmes bezeichnet werden. Doch sind es gerade die kleinen Unterschiede, welche die wechselseitige Teilhabe an der Tradition des anderen so interessant machen. So besteht zum Beispiel der Reiz des Ahrweiler Königschießens darin, dass dem Königsvogel mit großem Kaliber zu Leibe gerückt wird bis er in alle seine Bestandteile zerlegt ist. Die Schützen bleiben den Zuschauern verborgen, erst kurz vor der Proklamation wird das Geheimnis gelüftet, wer den entscheidenden Schuss abgab. Dementgegen erhält das Lantershofener Königsschießen mit bedeutend kleinerem Kaliber, unter dessen Verwendung mit chirurgischer Präzision ein Holzpflock unter dem Königsvogel zu zerschießen ist bis der Vogel herabstürzt, dadurch seinen Reiz, dass die Kontrahenten für jedermann gut sichtbar ihre Schüsse abgeben, sodass der neue Schützenkönig sofort vom Publikum bejubelt werden kann.

Schlussendlich sind es jedoch nicht die Unterschiede, sondern die Gemeinsamkeiten, gerade im Hinblick auf die Tugenden und Ideale der Vereine, die das Verhältnis dominieren. Beide haben es sich zum Ziel gesetzt echte Kameradschaft zu pflegen, beide wollen die Liebe und Treue zu ihrer Heimat erhalten und beide sind dem Erhalt althergebrachter Traditionen verpflichtet. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass im neuen Jahrtausend und im Besonderen im 400jährigen Jubiläumsjahr der St. Laurentius-Schützengesellschaft die Beziehungen der beiden Vereine harmonischer sind denn je. Dies gilt für die guten persönlichen Kontakte der Vereins- und Vorstandsmitglieder der beiden Gesellschaften ebenso wie für die gegenseitigen offiziellen Einladungen. So zählt der Lantershofener Vorstand mittlerweile genauso selbstverständlich zu den Ehrengästen fast aller Veranstaltungen des Ahrweiler Schützenfestes wie der Ahrweiler Vorstand bei den Veranstaltungen der Lantershofener Schützenfest- und Kirmestage. Man besucht gegenseitig auch andere Vereinsveranstaltungen, seien es Karnevalsparties, das Ahrweiler Martinsfest oder das Lantershofener Maubichfest. Auch ist man auf der Stelle bereit, sich gegenseitig bei unerwartet auftretenden Problemen schnell und unbürokratisch zu unterstützen, wie es in den vergangenen Jahren hier wie dort schon einmal beim Maibaumstellen nötig wurde. Deutlich wird die feste und über Jahre gewachsene Verbundenheit auch darin, dass den Pionieren der 1970er Jahre eine wachsende Zahl an Junggesellen aus Ahrweiler und Lantershofen folgt, die - nach dem Ende ihrer Junggesellenzeit am eigenen Wohnort - Mitglied der Bürgerschützengesellschaft beziehungsweise des Bürgervereins auf der jeweils anderen Seite des Lantershofener/Ahrweiler Berges (je nach Blickrichtung des Betrachters unterschiedlich benannt) wird.

Zum diesjährigen Jubiläumsfest wünscht die Lantershofener Junggesellen-Schützen-Gesellschaft ihrem Ahrweiler Bruderverein alles nur erdenkliche Gute und hofft darauf, dass die gleiche Einmütigkeit, wie wir sie zur Zeit erleben dürfen, auch in den kommenden Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten, erhalten bleibt. Schließen möchte ich in diesem Sinne mit den Worten des leider bereits verstorbenen Lantershofener Schriftführers der Jahre 1949-1952, Leo Kappen, der 1950 anlässlich des Besuches des Lantershofener Vorstandes beim Ahrweiler Schützenfest mit eindrucksvoller Weitsicht in seinem Jahresbericht vermerkte: „Es ist zu begrüßen, wenn diese schöne Geste, welche das Streben nach gleichen Zielen versinnbildlicht, auch weiterhin beibehalten und gepflegt wird.

[abgedruckt in "1612 2012 Festschrift. 400 Jahre St. Laurentius Junggesellen-Schützengesellschaft Ahrweiler 1612 e.V." Seiten 74-77]